"Die
Vorstellung vom Archiv als Ablagerung, als Sedimentation der Aktivitäten
seines Trägers, individuell oder kollektiv, steht nicht nur der Auflösung
von Meistererzählungen im Wege, sondern auch der unmittelbaren Bezugnahme
des Archivs der Gegenwart. Wer in der Selbstarchivierung die Informationsträger
als Spuren behandelt, präsentiert sie als an die Vergangenheit gebunden und
trennt sie zugleich von Gegenwart und Zukunft. Spuren definieren sich sowohl über
ihre zeitliche Distanz zu dem Ereignis, das sie hinterlassen hat, als auch in
ihrer referenziellen Rückbezüglichkeit über ihre Distanz zur Gegenwart.
Das einmal Gestaltete, Verwendete oder Aufgezeichnete ist um die Rettung der Erinnerung
vor dem Vergessen bemüht. Man versteht ein Archiv als immer vom Vergessen
aus profiliert. Daneben erweist sich der Akt der Bewahrung
aber immer auch als eine Form der Selbsthistorisierung.
Es bedarf einer Distanzierung
gegenüber der eigenen aktuellen und nicht abgeschlossenen Praxis, um sie
der Archivierung zu unterzeihen."
Beatrice von
Bismarck aus dem Buch "Arena Archiv"
Prozesse
und Räume künstlerischer Selbstarchivierung