Christiane Fichtner

Foto Christiane Fichtner 018

Biografie 018

Text: Valeska Mahnkopf
Kostüm:
Gabi Bartels
Maske: Ilka Renken
Foto: Sabine Troendle

 







Biografie 018


Biografie Christiane Fichtner


1974 geboren, 2007 Künstlerin

I: Frau Fichtner, Sie wurden 1974 geboren, und bereits im Alter von 6 Jahren zeigte sich Ihre künstlerische Begabung...

C. F.: Das ist nicht ganz richtig. 1982 zogen wir um, dabei entdeckten meine Eltern unter meinem Bett ein Bild, das ich wie ein Höhlenmensch mit Kreide an die Wand gemalt hatte, und glaubten zunächst nicht, dass es von mir stammte.

I: Warum nicht? Was stellte das Wandbild dar?

C. F.: Bären und Giraffen. Meine Lieblingstiere zu dieser Zeit. Die Zeichnung war wohl für ein Kind ungewöhnlich genau. Als ich meinen Eltern andere Zeichnungen zeigte, glaubten sie mir und versuchten, meine Begabung zu fördern. Das Wandbild ist natürlich längst überstrichen...

I: Das passt zu Ihrem gesamten künstlerischen Schaffen. Seit 1993 bemalen Sie nur eine einzige Leinwand. Sie malen Ihre Bilder übereinander, so dass ein Bild das vorherige auslöscht. Sie stellen das aktuelle Bild zwar aus, aber erlauben noch nicht einmal eine fotografische Dokumentation Ihrer Werke.

C. F.: „Auslöschen“ klingt mir zu dramatisch. Ich vernichte die vorherigen Bilder nicht. Manche Bilder sind sogar noch sehr lange durch die neuen Schichten hindurch sichtbar. 1996 hatte ich eine Phase, in der ich sehr pastos gemalt habe. Diese Unebenheiten waren da, ich konnte sie nicht einfach entfernen oder glätten. Manche machen sich noch heute bemerkbar, sie sind ein Teil des Gesamtbildes – ein Teil von mir. Ein einziges Mal habe ich die Leinwand neu grundiert. Das war 2002, nachdem ich ein halbes Jahr keinen Pinselstrich getan hatte. Es war ein kompletter Umbruch in meinem Leben. Ich habe noch einmal von vorne begonnen. Ich will damit sagen, dass diese Leinwand mein persönliches Leben widerspiegelt. Mittlerweile bekommt die dicke Farbschicht Risse – ich bekomme die ersten Falten (lacht).

I: Warum erhalten Sie die einzelnen „Spiegelbilder“ Ihres Lebens nicht? Es wäre für die Nachwelt von großem Interesse Ihre künstlerische Entwicklung nachvollziehen zu können.

C. F.: Für mich ist Kunst etwas, was aus dem Moment heraus entsteht. Ähnlich einer Jazz- oder Theaterimprovisation. Die würde man ja auch nicht jedes Mal aufzeichnen, um sie auf immer festzuhalten. Wenn man sich an sie erinnern kann, hatte sie Bedeutung. Sie erinnern sich doch bestimmt auch nur an bestimmte Momente Ihres Lebens. Ich stelle mein Bild aus. Die Menschen können es sehen, aber irgendwann übermale ich es. Wenn sich die Menschen an das vorherige erinnern, gut, wenn nicht, dann war es für sie wohl nicht so bedeutsam. Ich male nicht für die Nachwelt. Es gibt übrigens viele Künstler, die nur der Moment des Malens interessierte. William Turner, um nur ein Beispiel zu nennen, benutzte Farben, von denen er wusste, dass sie in kürzester Zeit verblassen würden. Manche Bilder bewahrte er in feuchten Ecken seines Ateliers auf, wo sie zu reißen und schimmeln begannen. Es scherte ihn nicht im Geringsten.

I: Man könnte Ihre Kunst mit einem Happening vergleichen...

C. F.: Ich lasse mich nicht gerne in Schubladen stecken. Seit 2006 wird viel über mich geschrieben. Man hat mein Bild zu „einem Manifest der Vergänglichkeit“ und mich zu einer „dramatischen“ Künstlerin erklärt. Es ist schwer, sich gegen die offizielle Meinung zu wehren.
Ich male nicht, um eine Künstlerin zu sein, sondern weil es mir ein inneres Bedürfnis ist.

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